Das Jubiläum „500 Jahre Nürnberger Religionsgespräch“ nahmen wir zum Anlass auf neue Art und Weise religiöse Vielfalt ins Gespräch zu bringen. Nicht wie vor 500 Jahren in einer hoheitlichen Disputation von Theologen und Ratsherren, sondern „auf Augenhöhe“, „face to face“.
Gewählt haben wir als Veranstalter-Team des forum Christen-Muslime dabei die Methodik der „Lebendigen Bibliothek“: Wie in einer richtigen Bücherei können dabei für eine bestimmte Zeit „Bücher“ entliehen und werden. Die „Bücher“ sind dabei allerdings lebendige Menschen, die in unserem Fall ganz verschiedenen in Nürnberg vertretenen Religionsgemeinschaften angehören:
Unter den acht „Büchern“ unseres Abends finden sich eine alleinerziehende, muslimische Ärztin, eine junge katholische Ordensfrau, eine ehemalige buddhistische Nonne, eine fränkischen Jüdin und ein Vertreter der „Mormonen“, der die Nürnberger Gemeinde als Bischof leitete, eine evangelisch-katholische „Konvertitin“ mit bayrischen Wurzeln und eine türkisch-schwäbische Ergotherapeutin.
Im Foyer des Haus eckstein treffen „Bücher“ und interessierte „Leser“ bei Getränken und Knabbereien aufeinander. Eine Stellwand bietet jeweils 25-minütige Zeiteinheiten an, in die sich die „Leser“ bei ihren jeweiligen „Büchern“ eintragen. Sitzecken im Haus bieten dann die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch, zu Fragen und Antworten. Basis ist dabei eine Haltung fragender Offenheit, aber auch Respekt vor persönlichen Grenzen in den jeweiligen Antworten.
Drei Durchgänge schaffen wir an diesem Abend. Immer wieder kommt es auch zwischendurch zu lebendigen Gesprächen und Begegnungen an den Stehtischen im Foyer.
„Ich habe so viele unterschiedliche Gespräche geführt und jedes Mal etwas ganz Neues und für mich Überraschendes erfahren“. Mit strahlendem Gesicht erzählt eine Teilnehmerin im Abschlusskreis von ihren Eindrücken. „Wir brauchen mehr solche Begegnungen“, summiert eine der muslimischen Teilnehmerinnen“, die selbst an diesem Abend als „lebendiges Buch“ dabei war: ein Eindruck, den wohl alle der Besucher dieses besonderen Abends teilen können.